Digitaler Ausstellungsführer

Leben an den Rändern

Werkschau des Dokumentarfotografen Florian Bachmeier
13. Mai bis 24. Juni 2026
Mediathek Eltville am Rhein

Bild Florian Bachmeier     Mediathek Eltville am Rhein

Vorwort

Dieser digitale Führer begleitet Sie beim Gang durch die Ausstellung. Sie sehen Bilder aus Afghanistan, Bangladesch, Mauretanien, Rumänien, Sambia, Spanien, der Ukraine, Venezuela und entlang der Fluchtrouten in Europa. Die 63 Bilder aus den Jahren 1996 bis 2026 zeigen, wie "Leben an den Rändern" aussieht, wie Profitgier, Klimawandel und Krieg die Lebensgrundlagen von Menschen zerstören. Sie erzählen aber auch, wie Menschen trotz dieser widrigen Umstände ein würdiges Leben gestalten und solidarisch handeln. Internationale Anerkennung fand diese künstlerische und politische Haltung, als Florian Bachmeier im Frühjahr 2025 von World Press Photo der Preis für das beste Einzelfoto in der Kategorie Europa verliehen wurde. Das Bild zeigt die sechsjährige Anhelina in Borschtschiwka nahe der Front in der Ukraine. Die Jury von World Press Photo war beeindruckt davon, "wie es dem Fotografen gelang, ein solch stilles Bild aufzunehmen, das gleichwohl den Betrachter veranlasst, innezuhalten und einen Aspekt des russischen Kriegs gegen die Ukraine zu bedenken, der ansonsten nicht ausreichend berücksichtigt wird." Florian Bachmeier sagt über seine Fotografien:

"Ich möchte Geschichten erzählen, die oft übersehen werden. Die Aufmerksamkeit der Betrachtenden möchte ich auf jene Menschen richten, die unter Ungerechtigkeit, Krieg und Umweltzerstörung leiden. Ihnen gilt mein Respekt, denn trotz widriger Umstände führen sie ein Leben in Würde und oft auch in Solidarität. Ich würde mir wünschen, dass das Publikum beim Betrachten meiner Fotografien Empathie für diese Menschen entwickelt und vielleicht auch ein gewisses Verantwortungsgefühl."

Beim Gang durch die Ausstellung kann man fünf thematische Linien in den Geschichten von Afghanistan bis Venezuela erkennen: Gemeinschaft, Unterwegssein, Leben mit der Natur, Leben im Krieg, Spiritualität. Florian Bachmeiers Fotografien wurden in vielen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, aber auch in Museen ausgestellt und mehrfach ausgezeichnet. Er ist ein Grenzgänger zwischen Journalismus und Kunst. "Mich fasziniert", so Kuratorin Mechtild Manus, "wie Florian Bachmeier als Reporter die harte Wirklichkeit abbildet und gleichzeitig als Künstler mit Licht und Schatten, Nähe und Tiefe seinen Fotografien eine herbe Schönheit verleiht." Fotografie hat Florian Bachmeier (*1974, Tegernsee) in Pamplona (Spanien) studiert, danach Neue und Neueste Geschichte in München. Er ist Mitglied beim "n-ost Network for Border Crossing Journalism" und wird vertreten durch die Galerie Buchkunst Berlin. Alle Bilder können Sie käuflich erwerben. An der Ausleihe liegt eine Preisliste.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Kuratorin Mechtild Manus:
0151-28818033
manus_schliersee@posteo.de

Mehr Informationen:

www.florianbachmeier.com

Österreich 2025

Bildbeschreibung
Krimmler Tauernweg, Krimml, Österreich, 2025
Seit über 2000 Jahren wird der Krimmler Tauernweg als Saumweg für den Transport von Gütern genutzt. 1947 wurde er für Jüdinnen und Juden zum Fluchtweg aus Lagern für „Displaced Persons“ nach Italien. Von dort aus hofften sie, nach Israel zu gelangen, um ein neues Leben in Freiheit zu beginnen.

Afghanistan 2016

Bildbeschreibung
Malala, Sarhad-e-Broghil, Afghanistan, 2016
In die nordöstlichste Ecke von Afghanistan reist Florian Bachmeier 2016 im Auftrag des Magazins Terra Mater. Im Dorf Sarhad-e-Broghil sieht er die 18-jährige Malala vom Volk der Wakhi, die sich am Fenster lehnend von der bäuerlichen Arbeit ausruht. Ruhig und selbstbewusst schaut Malala den Fotografen an. Ihr schmales Gesicht steht im Kontrast zu ihren kräftigen Händen. Das Sonnenlicht fällt auf den bestickten Saum ihres Gewands. Was ist wohl aus ihr geworden?
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Sarhad-e-Broghil, Afghanistan, 2016
Eine Nomadenfamilie nimmt in ihrer Jurte die Morgenmahlzeit ein. Im Wakhan-Korridor von Afghanistan leben sesshafte Wakhi, die auf Terrassen im Tal Ackerbau betreiben, und nomadisierende kirgisische Familien mit Sommerweiden im Pamirgebirge. In ihrer Bewegungsfreiheit werden die Menschen von politischen Grenzen eingeschränkt, die sich auf den imperialistischen Wettlauf zwischen dem Britischen Empire und dem Russischen Zarenreich zurückführen lassen. Heute begrenzen Tadschikistan, Pakistan und China die afghanische Bergregion.
Bildbeschreibung
Hadidja, Sarhad-e-Broghil, Afghanistan, 2016
Hadidja in kirgisischer Tracht.
Bildbeschreibung
Broghil-Pass, Sarhad-e-Broghil, Afghanistan, 2016
Über diesen Saumweg ziehen die Nomadinnen und Nomaden im Sommer mit ihren Tieren zu den Weideplätzen. In seinem Gedicht „Lebenslauf“ preist der Dichter Friedrich Hölderlin im Jahr 1800 des Menschen „Freiheit, aufzubrechen, wohin er will.“ Allerdings wird diese Freiheit den meisten Menschen nur sehr eingeschränkt zugestanden. Menschen in Afghanistan etwa dürfen nur in 28 Länder ohne Visum reisen. Kein einziges europäisches Land zählt dazu. Von den 8,2 Milliarden Menschen weltweit genießen die Deutschen dagegen die viertgrößte Bewegungsfreiheit: In 185 Länder dürfen sie problemlos einreisen.
Bildbeschreibung
Weiterziehen, Sarhad-e-Broghil, Afghanistan, 2016
Die kirgisische Familie hat die Jurte abgebaut. In Kürze verlädt sie ihren Hausstand auf die Maultiere, um zu einem neuen Weideplatz aufzubrechen.
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Dorfschule, Potokh, Afghanistan, 2016
Diese Schule war 2016 noch gleichermaßen für Mädchen und Jungen offen. Seit dem Abzug der NATO-Truppen 2021 herrschen wieder die Taliban in Afghanistan. Entwicklungsnetzwerke, wie etwa das Aga Khan Development Network, mussten ihre Tätigkeit einschränken. Wie ist die Situation wohl heute in der Schule von Potokh? Gibt es diese Schule überhaupt noch?
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Ohne Titel, Khas Dej, Afghanistan, 2016
Dieser Schäfer in Khas Dej stärkt sich, wie jeden Morgen, mit salzigem Milchtee und trockenem Fladenbrot, bevor er mit den Tieren loszieht.

Ukraine 2014–2026

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Anhelina, Borschtschiwka, Ukraine, 2024
Seit 2012 reist Florian Bachmeier jedes Jahr mehrmals in die Ukraine, im März 2026 etwa in das Gebiet von Charkiw. Er dokumentierte 2014 die Annexion der Krim, die Auswirkungen der Kämpfe im Donbass auf die Zivilbevölkerung und seit dem 24. Februar 2022 die Vollinvasion der Ukraine durch Russland. Die folgenden Bilder zeigen das Leben an der Front, wo viele Dörfer nahezu verlassen sind. Die wenigen Menschen, die geblieben sind, haben oft keine andere Wahl. Alte und kranke Menschen können nicht fliehen, und diejenigen, die noch mobil sind, fürchten, ihre letzten Habseligkeiten zu verlieren, wenn sie gehen. Die Menschen leben in ständiger Lebensgefahr, in Angst vor Beschuss, vor Entführung und Folter, doch der Verlust ihrer Heimat scheint für sie der größte Albtraum zu sein. Die tägliche Realität dieser Menschen ist geprägt von Unsicherheit, doch auch von einem erstaunlichen Mut und einer tiefen Verwurzelung in ihrer Heimat. Die sechsjährige Anhelina lebt bei ihrer Großmutter in Borschtschiwka. Sie ist traumatisiert vom ständigen Beschuss, leidet unter Panikattacken. Dieses Foto erschien zuerst im Amnesty Magazin. 2025 gewann Florian Bachmeier damit einen World Press Photo Award. Es beeindruckte die Jury, "wie es dem Fotografen gelang, ein solch stilles Bild aufzunehmen, das gleichwohl den Betrachter veranlasst, innezuhalten und einen Aspekt des russischen Kriegs gegen die Ukraine zu bedenken, der ansonsten nicht ausreichend berücksichtigt wird."
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Vermintes Feld, Marinka, Ukraine, 2016
Im winterlichen Morgengrauen liegt ein stiller Glanz über dem Minenfeld in der Nähe von Marinka. Der Schnee dämpft den Krieg, verleiht der Landschaft einen trügerischen Schein von Schönheit. Doch unter der Oberfläche lauert der Tod. Eine verwundete Landschaft im Osten der Ukraine – vermint, verbrannt, entvölkert. Der Krieg schreibt sich in die Erde ein.
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Epiphania I, Nowohryhoriwka, Ukraine, 2023
Trotz des Krieges halten viele Menschen an ihren religiösen Ritualen fest. Vielleicht geben diese Traditionen ihnen Halt, wenn alles um sie herum zusammenbricht? Die Wasserweihe an Epiphania ist eine solche Tradition. Sie beschließt die orthodoxe Weihnachtszeit. Im Mai 2022 war die Bevölkerung des Dorfes Nowohryhoriwka beim Herannahen der russischen Armee evakuiert worden. Das Dorf wurde bei den Kämpfen völlig zerstört. Neun Monate später, nach der Rückeroberung durch die Ukraine, sind einige Menschen zurückgekehrt, um ihre Häuser wieder bewohnbar zu machen. Die Gläubigen versammeln sich in der zerstörten Kirche zum Gottesdienst mit Wasserweihe.
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Epiphania II, Nowohryhoriwka, Ukraine, 2023
Zwischen Schutt und verbranntem Holz markiert die Wasserweihe einen neuen Anfang. Aus dieser Tasse haben die Gläubigen das geweihte Wasser getrunken. Das stille Glitzern des gesegneten Wassers erscheint wie ein Sinnbild des leisen Versuchs, Ordnung in die Verwüstung zu bringen.
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Ohne Titel, Saporischschja, Ukraine, 2022
Seit sieben Tagen ist diese junge Frau aus Cherson zusammen mit anderen in zwei Kleinbussen auf der Flucht. Sie waren zwischen die Fronten geraten. Die Russen ließen sie nicht auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet, inszenierten sogar eine Scheinhinrichtung, um die Menschen einzuschüchtern. Schließlich erlaubten sie die Überquerung der Front in das ukrainisch kontrollierte Gebiet bei Saporischschja. Dort auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums entstand das Foto. Es wurde 2022 von Pressefoto Bayern mit dem 1. Preis in der Kategorie Europa ausgezeichnet.
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Internationaler Frauentag, Trjochisbenka, Ukraine, 2019
Zu den stärkenden Traditionen im Krieg gehört der Internationale Frauentag am 8. März. Im Dom Kultury (Kulturhaus) schauen sich die Frauen eine Folklore-Aufführung an. Später essen sie gemeinsam. Jede hat etwas mitgebracht.
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Tatjana, Trjochisbenka, Ukraine, 2019
Tatjana hat 2014 in Luhansk durch eine Granate eine Tochter und ein Bein verloren. Sie war mit einer ihrer drei Töchter auf dem Weg zur Krankenstation, als heftiger Beschuss einsetzte. Vom Tod ihrer Tochter erfuhr sie erst neun Tage nach dem Angriff im Krankenhaus.
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Tanya, Voloska Balakliia, Ukraine, 2024
Die gehörlose Tanya, 35, lebt mit ihrer Tochter Polja, 3 Monate, und einem weiteren Kind an der Front. Wegen der Kämpfe hatte Tanya ihr eigenes Haus verlassen. In einem nahegelegenen Dorf fand sie Zuflucht bei einer Bauernfamilie.
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Sascha und Lisa, Marinka, Ukraine, 2016
Sascha (20) und Lisa (17) bleiben in ihrem teilweise zerstörten Haus an der Front im Donbass. Nach Beginn der Kämpfe 2014 ging Saschas Mutter weiterhin zur Arbeit im damals von Separatisten kontrollierten Gebiet. Nach wenigen Tagen wurde sie auf dem Weg von einer Granate zerfetzt. Sascha möchte sich keiner Seite anschließen und sein Haus nicht mehr verlassen, solange der Krieg andauert.
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Pavel Latsyba, Butscha, Ukraine, 2022
Noch sind nicht alle Opfer des Massakers von Butscha begraben. Pavel Latsyba spricht von mindestens 600 Toten. Der verletzte Soldat hat gerade für einen gefallenen Kameraden ein Grab ausgehoben. Er selbst wurde angeschossen, als er Wasser holen ging. Die Kugel steckt noch in seiner Bauchdecke und kann in der gegenwärtigen Situation nicht entfernt werden.
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Viktoria, Charkiw, Ukraine, 2026
Viktoria trägt an einem Band eine kleine Pfeife. Diese ist überlebenswichtig. Falls Viktoria bei einem Bombenangriff verschüttet wird, kann sie so auf sich aufmerksam machen. Florian Bachmeier war im März 2026 mit einer Hilfsorganisation unterwegs, die drei Rettungswagen und ein Feuerwehrauto in die Ostukraine in die Nähe der Front transportierte. Am 12. März begegnete er Viktoria in der Charkiwer Akademika Proskury Straße, als sie in Plastiktüten das aus ihrer Wohnung rettete, was noch zu gebrauchen war. Wenige Tage vorher war ihre Wohnung durch einen Bombenangriff auf das Nachbarhaus so schwer beschädigt worden, dass sie nun unbewohnbar ist. Viktoria ist vorerst bei einer Nachbarin untergekommen.
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Katya mit Yuliia, Voskresenivka, Ukraine, 2026
In dem Dorf Voskresenivka lernt der Fotograf eine Familie kennen, die schon fünf Mal flüchten musste. Besonders schwer ist das für die sechsjährige Yuliia. Sie hat Trisomie 21. Kinder mit Behinderungen leiden besonders stark unter den abrupten Veränderungen der Flucht. Sie können auch nicht gefördert werden wie in Friedenszeiten. Die 15-jährige Katya kümmert sich liebevoll um ihre kleine Schwester.
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Epiphania III, Wylkowe, Ukraine, 2014
Im Südwesten grenzt die Ukraine an Rumänien und das Donau-Delta. Im Dorf Wylkowe wird Epiphania gefeiert. Zur Erinnerung an Jesu Taufe im Jordan werden Wasser und Brot geweiht. Die beiden Mädchen nehmen geweihtes Brot für die ganze Familie mit. Nachdem die Donau auf 2800 Kilometern durch zehn Länder geflossen ist, mündet sie mit dem Donau-Delta an der Grenze von Ukraine und Rumänien in einer einzigartigen und unzugänglichen Landschaft in das Schwarze Meer. In dieser abgeschiedenen Welt der Holzboote, Schilfhütten und Fischerdörfer sind Glaube und Spiritualität ein wichtiger Anker im Alltag. Das Donau-Delta ist eine Welt der Armut und der Rückständigkeit, aber auch eine magische Welt, unstet, nicht zu greifen oder zu begreifen.

Rumänien 2014–2025

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Fähre, Mila 23, Rumänien, 2017
Ohne Boot kann man sich im weit verzweigten Donau-Delta kaum fortbewegen. Diese Fähre transportiert Personen, Tiere und Güter. Im harten Winter wird sie zur Lebensader zwischen den Dörfern des Deltas.
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Ramona und Matias Dumitrache, Cilia Veche, Rumänien, 2025
Viele Menschen verlassen das Donau-Delta auf der Suche nach Arbeit. Kleine Kinder bleiben zurück bei den Großeltern, größere leben in Internaten. Viele Frauen sind alleinerziehend wie Ramona Dumitrache. Florian Bachmeier reist fast jedes Jahr in das Donau-Delta. Einige Familien und einzelne Menschen hat er über Jahre begleitet und immer wieder fotografiert. Für ihn ist das Donau-Delta ein ökologisch und gesellschaftlich gefährdeter Raum. Folgen des Klimawandels und gesellschaftliche Umbrüche treffen aufeinander. Wie in einem Brennglas kann man hier die drängenden globalen Probleme unserer Zeit erleben: Umweltzerstörung, Migration und soziale Ungleichheit.
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Canalul Sulimanca, Letea, Rumänien, 2025
Das Donau-Delta mit seinen vielen Kanälen ist geprägt von einer unwirklichen, flirrenden Schönheit. Seit 1992 gilt der größere rumänische Teil und seit 1998 der kleinere ukrainische Teil des Donau- Deltas als UNESCO-Biosphärenreservat und als Weltnaturerbe. Das Donau-Delta ist elfmal so groß wie der Bodensee und das zweitgrößte Flussdelta in Europa. Die schwimmenden Inseln und die weltweit größte Schilffläche funktionieren wie ein Filter. Sie reinigen das Donauwasser, bevor es ins Schwarze Meer fließt. Auf den Inseln im Delta leben 2200 freilaufende Pferde, die größte Population in Europa. Außerdem wurden 4000 andere Tierarten dokumentiert, darunter rote Pelikane, Lachmöwen und Kormorane.
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Ion, Chilia Veche, Rumänien, 2017
Im Donau-Delta treffen orthodoxe Christen, Katholiken, Protestanten, Altgläubige russischer Herkunft, wie der Priester Ion, und andere Glaubensrichtungen aufeinander. Die Geistlichen leben von den Zuwendungen der Gläubigen.
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Kirchweih, Sulina, Rumänien, 2014
Zur Kirchweih gestalten die Menschen gemeinsam ein Buffet. Alle sind aufeinander angewiesen, Traditionen und Rituale stiften Gemeinschaft. Die Bevölkerungsdichte ist hier am östlichsten Rand der Europäischen Union mit 3,5 Personen pro Quadratkilometer so niedrig wie sonst nirgends. Man unterstützt sich gegenseitig mit Lebensmitteln, bei der Kinderbetreuung, bei Krankheit.

Bangladesch 2018

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Wildbienen, Banishanta, Bangladesch, 2018
In Banishanta, im Südwesten von Bangladesch befindet sich der größte Mangrovenwald der Welt. Ein Mann sammelt dort den Honig von Wildbienen. Nur ein einfaches Netz über dem Kopf schützt ihn. Der übrige Körper des Honigsammlers ist den Wildbienen ungeschützt ausgesetzt. Im Rauch verschmilzt der Körper des Honigsammlers geradezu mit den Wildbienen. Diese befördern durch Bestäubung das Wachstum der Mangroven. Der dort gewonnene Honig hat eine dunkle Farbe und bei aller Süße auch eine salzige Note. Er ist reich an Antioxidantien, wirkt antibakteriell und antiviral. Der Honig aus den Mangrovenwäldern ist ein entscheidender Teil des Einkommens der Menschen hier. Deshalb trotzen sie auch der Gefahr durch den bengalischen Tiger.
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Ohne Titel, Banishanta, Bangladesch, 2018
Im Ganges-Brahmaputra-Meghna-Delta von Bangladesch, wo wegen des Klimawandels das Wasser immer stärker das Land erobert, sehen wir einen Fischer. Er watet ins trübe Wasser und wirft sein Netz aus. Er fängt Garnelen für Zuchtfarmen, ein wichtiger, aber ökologisch problematischer Teil der lokalen Wirtschaft.
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Ohne Titel, Mongla, Bangladesch, 2018
Fisch ist die wichtigste Proteinquelle für die Menschen. Noch reicht das, was die Natur den Fischern gewährt, fürs Überleben. Doch Überfischung, Versalzung und Zyklone reduzieren die Erträge immer mehr.
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Damm, Mongla, Bangladesch, 2018
Der Damm schützt die Menschen und ihre Siedlungen vor dem steigenden Meeresspiegel. In Bangladesch ergießen sich Ganges, Brahmaputra und Meghna in den Golf von Bengalen. Auf ihrem Weg verzweigen sich die Ströme und bilden ein Delta mit großen Lagunen und Inseln. An deren Ufern erstrecken sich die größten Mangrovenwälder der Welt. Die Menschen in Bangladesch nennen sie Sundarbans, die „schönen Wälder“. Die Sundarbans bilden eine entrückte und unzugängliche Welt. Die UNESCO hat dieses einzigartige und artenreiche Gebiet 1987 zum Weltnaturerbe und 2001 zum Biosphärenreservat erklärt. Die illegale Rodung weiter Waldflächen, die Versalzung der Böden durch die Aquakulturen der Garnelenfarmen, Umweltverschmutzung, Tropenstürme und der ständig steigende Meeresspiegel gestalten das Überleben der Menschen immer schwieriger.
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Ahmed, Mongla, Bangladesch, 2018
Durch das Flechtwerk der Hütte und einen dünnen Stoffvorhang mit Blumen fällt das Sonnenlicht auf einen jungen Mann in weißem Gewand, mit heller Gebetskappe und niedergeschlagenen Augen. Ahmed, ein angehender Imam, nimmt aber keine Gebetshaltung ein, sondern sitzt auf dem Boden der Fischerhütte. Auf dem ausgestreckten linken Handgelenk sitzt eine Taube und in seinem Nacken flattert eine zweite, geschützt von der erhobenen gespreizten rechten Hand. Ein heutiger muslimischer Franziskus, den die Verschmutzung des Brunnenwassers beunruhigt, auf die er den Leberkrebs seiner Mutter zurückführt.
Bildbeschreibung
Poppy, Banishanta, Bangladesch, 2018
In einem der ältesten Bordell-Dörfer lebt die Prostituierte Poppy. Mit Booten kommen die Freier vom Festland. Prostituierte wie Poppy leben hier in einer Gemeinschaft zusammen mit ihren Kindern, denen sie Bildung und einen Beruf ermöglichen wollen.

Venezuela 2019

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Am Mausoleum von Ismael Sanchez, Caracas, Venezuela, 2019
Durch die Entführung von Präsident Maduro und zahlreiche Angriffe auf Schiffe durch die Vereinigten Staaten von Amerika ist Venezuela momentan stärker im Fokus als in den letzten Jahren. In der Krise steckt das Land aber schon seit Längerem. Florian Bachmeier reiste 2019 in das karibische Land, um das Leben der Menschen dort zu dokumentieren. Nach seiner Rückkehr druckte die österreichische Zeitschrift Profil einige dieser Bilder ab. Stolz präsentiert sich dieser junge Mann mit Tätowierungen auf dem Oberarm vor dem Mausoleum von Ismael Sanchez auf dem Südfriedhof von Caracas. Einer lokalen Legende zufolge war Ismael Sanchez eine Art Robin Hood, der die Reichen bestahl und die Armen beschenkte. Er wird als einer der Heiligen Ganoven (Santos Malandros) des María Lionza Kultes verehrt. Diese Heiligen schützen vor Kriminalität, aber sie helfen auch bei kriminellen Aktionen. In einem Land mit jährlich durchschnittlich 14.000 Morden reflektiert die Verehrung dieser Heiligen sowohl die Hoffnungen als auch die Ängste der Menschen in Venezuela.
Bildbeschreibung
Psychiatrische Klinik Lidice, Caracas, Venezuela, 2019
Das Versprechen vom „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ wurde nicht eingelöst, Hoffnungen wurden enttäuscht. Am stärksten leiden jene Menschen am Rand der Gesellschaft, denen es an Nahrung und an Medikamenten mangelt. Dieser Patientin einer psychiatrischen Klinik wird kaum Pflege zuteil. Das Krankenhaus aus den 1960er-Jahren war lange Zeit eine zentrale Einrichtung für psychiatrische Langzeitpatient:innen aus Caracas und anderen Regionen von Venezuela. Früher hatte es Werkstätten für Beschäftigungstherapie und eine relativ große Zahl von Ärzt:innen und Pflegekräften. Heute kann das Krankenhaus noch nicht mal ausreichend Essen bereitstellen. Kranke ohne unterstützende Familie sind von gelegentlichen Spenden und vom Wohlwollen des Personals abhängig.
Bildbeschreibung
Psychiatrische Klinik Lidice, Caracas, Venezuela, 2019
Abgeblätterter Putz, die Fenster zu hoch zum Rausschauen, eine nackte Matratze. In einer Zelle, die eher an ein Gefängnis als an eine Klinik erinnert, muss diese psychisch kranke Frau auf unbestimmte Zeit leben: ein vergessener Körper in einem zusammenbrechenden System.
Bildbeschreibung
Javier Malave, Dulce Nombre de Jesùs de Petare, Miranda, Venezuela, 2019
Das Licht fällt nur auf das Gesicht dieses jungen Mannes. Sein Blick geht ins Nirgendwo. Die fest umgebundene Bauchtasche enthält seinen wertvollsten Besitz. Kalte Farben, blau und grün, beherrschen das Bild. Sie erzählen von der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung des jungen Mannes.

Mauretanien 2018

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Fischfang, Nouadhibou, Mauretanien, 2018
Für das Magazin mare fotografierte Florian Bachmeier 2018 den neuen chinesischen Kolonialismus in Mauretanien. Zwischen 300 und 400 Schiffe unter chinesischer Flagge holen so viele Sardinen aus dem Atlantik, dass für die einheimischen Fischer nicht mehr viel bleibt. Am späten Nachmittag treffen sie mit ihrem Fang ein, bringen die Sardinen in Säcken an Land und laden sie auf die Karren der Händler. In den kleinen Küstendörfern leben zahlreiche Familien seit Generationen vom traditionellen Küstenfischfang. Nach wie vor ist er für viele Menschen die wichtigste Lebensgrundlage.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Nouadhibou, Mauretanien, 2018
In der Siedlung Cansadou leben vor allem Arbeiter des überwiegend staatlichen Eisenerzkonzerns SNIM mit ihren Familien. Alle leiden unter dem durchdringenden Gestank von den nahen Fischmehlfabriken. Ärzt:innen in Nouadhibou berichten, dass seit deren Bau deutlich mehr Menschen mit Allergien, Bronchitis und Asthma in die Praxis kommen. Bei der Herstellung von Fischmehl werden die Fische gekocht, getrocknet und zu Pulver gemahlen. Mit dem Rauch und Feinstaub gelangen organische Partikel, Eiweißreste und chemische Nebenprodukte in die Luft.
Bildbeschreibung
Fischmehlproduktion, Nouadhibou, Mauretanien, 2018
Im Jahr werden 550.000 Tonnen Fisch zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet. Die gesamte Produktion von 130.000 Tonnen wird exportiert. Außer kargen Löhnen bleibt den Einheimischen kein Gewinn. Entlang der 600 Kilometer langen Atlantikküste befinden sich 30 Fabriken, neben den chinesischen auch türkische, wie hier im Bild. In den Gewässern vor Westafrika sind auch Fangschiffe aus EU-Ländern tätig. Zusammen mit dem Kauf von chinesischem Fischmehl bekämpft die EU hier in Westafrika keine Fluchtursachen, sondern fördert sie.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Nouadhibou, Mauretanien, 2018
Die große Zeit des Fischfangs ist vorbei. Scheich Muhammed Salim Biram verdient sich ab und zu etwas mit der Reparatur von Netzen.

Menschen auf der Flucht in Südasien und in Europa 2016-2021

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Samila mit ihrem Sohn, Kutupalong, Ukhia Upazila, Bangladesch, 2018
Die 25-jährige Samila ist abgemagert und kann ihren Sohn kaum stillen. Im August 2017 musste die Rohingya aus Myanmar flüchten. Auf der Flucht starb ihr zweijähriges Kind. Die Armee des buddhistischen Landes Myanmar hatte an den überwiegend muslimischen Rohingya einen Völkermord verübt und ihre Dörfer zerstört. Fast eine Million Rohingya konnte ins Nachbarland Bangladesch flüchten. Im Flüchtlingslager Kutupalong wurden allein 2018 über 16.000 Kinder geboren.
Bildbeschreibung
Medresa Camp 5, Kutupalong, Ukhia Upazila, Bangladesch, 2018
Diese Kinder werden von Imam Abdul Rashid unterrichtet, der wie alle anderen hier im August 2017 aus Myanmar geflüchtet ist. Die Medresa dient auch als Moschee.
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Anjuma Begun und Jannat Ara, Kutupalong. Ukhia Upazila, Bangladesch, 2018
Die beiden Waisenmädchen leiden unter Albträumen und Angstzuständen. Die Mutter war früh verstorben, ihr Vater von der myanmarischen Armee getötet worden. Die elfjährige Jannat Ara (rechts) wurde angeschossen. Erst im Flüchtlingslager konnte sie operiert werden. Auf der Flucht trug sie ihr Onkel drei Tage und Nächte lang, bis die Familie die Grenze zu Bangladesch passiert hatte und in Sicherheit war.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Idomeni, Griechenland, 2016
Nur langsam trocknen im Herbst die lebenswichtigen Decken im Flüchtlingslager. Seit Wochen warten über 10.000 Menschen darauf, dass die Grenze nach Mazedonien (heute: Nordmazedonien) und damit die Balkan-Route wieder geöffnet wird. In einem Hauptlager und verschiedenen kleinen Nebenlagern in Idomeni herrschen menschenunwürdige Zustände. Die Flüchtlinge leben in äußerst kleinen Zelten, die hygienischen Zustände sind katastrophal, Krankheiten grassieren, der wochenlange Dauerregen verschärft die Situation.
Bildbeschreibung
Sabsali, Lesbos, Griechenland, 2017
Der erst 14-jährige Sabsali kommt aus Baglan, im Norden von Afghanistan. Am 5. März 2017 ist er mit dem Boot auf der Insel Lesbos angekommen.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Idomeni, Griechenland, 2016
Eine syrische Mutter und ihre Kinder suchen nach Verwertbarem. Das Flüchtlingslager in Idomeni im Norden Griechenlands an der Grenze zu Mazedonien ist durch mehrere Zäune aus Stacheldraht gesichert.
Bildbeschreibung
Gestrandet, Idomeni, Griechenland, 2016
Diese syrische Mutter ist mit ihrem Sohn im Flüchtlingslager von Idomeni gestrandet. Sie weiß nicht, wie lange sie dort bleiben muss und wie ihre Zukunft aussieht. Am 9. März 2016 schlossen Mazedonien und weitere Staaten entlang der Balkan-Route die Grenzen. Dadurch konnten die Flüchtlinge nicht weiterreisen nach West- und Nordeuropa.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Belgrad, Serbien, 2017
Der junge Mann hat es bis Belgrad geschafft. Ob er weiterkommt in Richtung Westeuropa, ist ungewiss. Während der Wintermonate 2016 und 2017 suchen viele Flüchtlinge bei Außentemperaturen von bis zu minus 15 Grad Zuflucht in unbeheizten Lagerhäusern ohne Toiletten oder fließendes Wasser. Die unhygienischen Bedingungen führen zu Haut- und Virusinfektionen. Um sich zu wärmen, verbrennen die Flüchtlinge alte Eisenbahnschwellen, Holz und Müll. Das führt zu dichtem Rauch und zu Atemproblemen.
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Mohammed Ashfaq, Šid, Serbien,2017
Mohammed Ashfaq ist 19 Jahre alt und kommt aus Pakistan. Schon 23-mal hat er versucht, vom Flüchtlingslager Šid in Serbien nach Kroatien und damit in die Europäische Union zu gelangen. Die Grenzpolizisten haben ihn misshandelt und ihm alles abgenommen, sogar das überlebenswichtige Mobiltelefon.
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Alae, Ceuta, Spanien, 2021
Der 16-jährige Alae bereitet sich in seiner provisorischen Unterkunft in der Ruine eines Frauengefängnisses in Ceuta auf die Flucht vor. Kürzlich musste mit 18 Stichen eine Messerwunde genäht werden, die ihm ein Unbekannter zugefügt hatte. Alae kommt aus Tetouan unweit der marokkanischen Mittelmeerküste. Die historische Stadt ist UNESCO-Weltkulturerbe und dient dem marokkanischen König als Sommerresidenz. In Tetouan hat Alae für verschiedene Händler gearbeitet. Eine Perspektive für sein weiteres Leben sieht er nur auf dem europäischen Festland.

Frühe Arbeiten aus Spanien, Sambia und Rumänien 1996-1998

Während seines Studiums der Fotografie an der Escuela de Artes y Oficios in Pamplona, Spanien, entstanden diese Bilder in Schwarz-Weiß. Auf Reisen durch Mauretanien, Mali, die Elfenbeinküste, Senegal, Burkina Faso, Sambia und Rumänien gestaltete Florian Bachmeier erste Langzeitprojekte mit einem anthropologischen Fokus. In der Art einer teilnehmenden Beobachtung verbrachte er viel Zeit mit den Menschen, die er fotografierte und teilte ihr Leben. In Spanien interessierten ihn vor allem Volksfeste, religiöse Feste, Menschen am Rande der Gesellschaft und das Leben an der Meerenge von Gibraltar. Stark beeinflusst war er in diesen Jahren von seinem Mentor, dem spanischen Fotografen Koldo Chamorro (1949-2009). Von ihm lernte er, Geschichten zu erzählen, die Widersprüche zwischen Tradition und Moderne ins Bild zu setzen, die identitätsstiftende Qualität von Ritualen zu erkennen und in einem Bild zu erfassen.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Zahara de los Atunes, Spanien, 1996
Irreguläre Migration, vermehrter Schmuggel und Streit um die Souveränität von Gibraltar prägen in den 1990er Jahren die Situation. Das führt zu sozialen Spannungen. Viele Menschen leben weiterhin von Fischerei oder Saisonarbeit, aber einige junge Männer lassen sich von den hohen Gewinnen des Schmuggels anziehen.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Andújar, Spanien, 1996
Trotz eines ersten Mechanisierungsschubs erfolgt die Olivenernte noch weitgehend manuell. In den Wintermonaten arbeiten viele Gitanos (Roma) in Andalusien als Tagelöhner oder mit kurzfristigen Arbeitsverträgen. Da die Arbeit nur für wenige Wochen im Jahr sicher ist, leben viele Familien in einer äußerst prekären wirtschaftlichen Situation.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Arcos de la Frontera, Spanien, 1996
Am Karfreitag ziehen mehrere Bruderschaften durch die engen, steilen Gassen der Altstadt.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Andújar, Spanien, 1996
Prozession der Virgen de la Cabeza bei der gleichnamigen Wallfahrtskirche in Andalusien. In den angespannten Gesichtern der Träger spiegelt sich das enorme Gewicht des Holzaufbaus. Neben der Marienstatue sitzt ein Priester, reibt zugeworfene Kleidungsstücke an der Figur und wirft sie sozusagen geheiligt zurück. Die Wallfahrtskirche hoch über Andújar war im Spanischen Bürgerkrieg umkämpft und wurde von den Republikanern verteidigt.
Bildbeschreibung
María, La Línea de la Concepción, Spanien, 1996
María empfängt einen Freier in La Línea de la Concepción. Der Ort ist aufgrund seiner Nähe zu Gibraltar schon immer ein Anziehungspunkt für Seeleute, Soldaten und Schmuggler. Viele Prostituierte arbeiten damals in der Straßenprostitution, besonders in der Nähe der Zufahrten in Richtung Grenze.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Tarifa, Spanien, 1996
Massengrab für ertrunkene Flüchtlinge: In den 1990er Jahren entwickelt sich die Meerenge von Gibraltar zur Fluchtroute für Menschen aus Afrika, die nach Europa wollen. Besonders die Überfahrt in den „pateras“ genannten kleinen Booten fordert zahlreiche Todesopfer. Die Bestattungen sind schlicht: manchmal nur mit einer Nummer oder gar keiner Kennzeichnung. Es gibt noch keine öffentliche Erinnerungskultur für diese Toten.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Málaga, Spanien, 1996
Die Haftzelle im ehemaligen Gefängnis Antigua Cárcel de Málaga zeigt die typische Ausstattung der damaligen Zeit mit Betonwänden, vergittertem Fenster und einfacher Liege. An der Wand befindet sich eine ältere religiöse Wandmalerei des gekreuzigten Christus. Zeitweise wurde die Zelle für die kurzfristige Verwahrung von aufgegriffenen Flüchtlingen genutzt.
Bildbeschreibung
Marianne, Luampa, Sambia, 1998
In den 1970er Jahren wurde dieses Missionskrankenhaus im Westen von Sambia gegründet. Es versorgt ein großes ländliches Einzugsgebiet mit Zehntausenden Menschen und ist Teil eines Netzwerks sogenannter „mission hospitals“, also kirchlich geprägter Krankenhäuser. Sie ergänzen oder ersetzen die staatliche Basisversorgung.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Luampa, Sambia, 1998
In der Kirche des Missionskrankenhauses. Die Menschen sind dankbar für die medizinische Versorgung. Die Bevormundung und den Fundamentalismus, der mit der religiösen Praxis oft einhergeht, nehmen sie in Kauf.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Luampa, Sambia, 1998
Das Leichenhaus des Missionskrankenhauses.
Bildbeschreibung
Ohne Titel, Găvojdia, Rumänien, 1997
Die Situation in der Psychiatrischen Klinik in Găvojdia (Kreis Timiș) ist nach dem Sturz des Ceaușescu - Regimes geprägt von extremer Vernachlässigung, Nahrungsmangel und dem Fehlen therapeutischer Maßnahmen. Die medikamentöse Versorgung beruht teilweise noch auf älteren, stark sedierenden Psychopharmaka. Neuere und bessere Medikamente sind nur begrenzt verfügbar oder für die meisten Kranken unerschwinglich. Das führt zu unmenschlichen Lebensbedingungen.
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Ohne Titel, Găvojdia, Rumänien, 1997
In vielen psychiatrischen Kliniken werden die Kranken eingesperrt statt therapiert. Oft werden sie jahrelang isoliert.
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Ohne Titel, Găvojdia, Rumänien, 1997
Erst durch internationale Berichte werden die Zustände der psychiatrischen Kliniken in Rumänien öffentlich.